Euer Kiez

Seit über 60 Jahren denkt jeder, der schon einmal diesen idyllisch gelegenen kleinen Ort am Ende des Beetzsees besuchte, an die erste Liebe, romantische Sonnenuntergänge, einen unendlichen Sternenhimmel, einen Berg voller Kirschen, einen gekenterten Angler und Barbier und vor allem an die unbeschwerten Tage der Kindheit und Jugend zurück. Diesen Ort betraten die Erwachsenen lediglich zum Abholen ihrer Kinder oder als Pädagogen, um die Mädchen und Jungen zu betreuen.

Als das Zentrale Pionierferienlager „Bruno Kühn" 1953 eröffnet wurde, erholten sich die Besucher anfänglich in Zelten. Einige feste Gebäude waren bereits vorhanden. Dazu gehörten die zwei Ferienwohnungen sowie das Haus Beetzsee, das ursprünglich als Baracke im Einheitsstil der 30er Jahre errichtet wurde.

In Bollmannsruh verschwanden die romantischen Zelte der Anfangszeit recht schnell. Bereits Mitte der 50er Jahre wurden 50 Hütten mit je 20 Quadratmetern für acht Bewohner errichtet. Die Gesamtkapazität im Jahr 1964 lag bereits bei 400 Lagerteilnehmern. Es gab zwei große Waschräume mit so genannten Waschrinnen sowie einen Duschraum.

Anfang der 70er Jahre zeichnete sich ab, dass das Ferienlager den damaligen Anforderungen nicht mehr gewachsen war. Das Stahl- und Walzwerk - als größter Betrieb der Stadt Brandenburg/Havel mit über 12.000 Beschäftigten - sorgte dafür, dass enorme Investitionsmaßnahmen durchgeführt wurden. So wurde der Speisesaal aufgewertet und die alten Bungalows nach und nach abgerissen. 1977 bauten Stahlwerker die zentrale Lagerstraße sowie den Appellplatz, der heute als Freilichtbühne aufgewertet ist.

In den 1980er Jahren war das Zentrale Pionierferienlager „Bruno Kühn" eine der modernsten Ferienanlagen in der DDR. 600 Kinder pro Durchgang besuchten nun den Brandenburger Beetzsee. Dazu kamen 150 bis 200 Erwachsene, die sich um Logistik, pädagogische Betreuung, Gesundheit und Hygiene kümmerten.

Für Sportler aller denkbaren Sektionen und Ausrichtungen war das Trainingslager in Bollmannsruh ein absoluter Höhepunkt. Die Europacup-Teilnehmer der BSG Stahl Brandenburg und die achtfache Olympiasiegerin im Kanu-Rennsport, Birgit Fischer, seien hier stellvertretend genannt. Da fast jeder Brandenburger Schüler in einem der unzähligen Sportvereine organisiert war, erlebte er irgendwann auch ein Trainingslager in Bollmannsruh.

Nach der Vereinigung begann in Bollmannsruh eine Zeit der Unsicherheit. Im Gegensatz zu anderen ehemaligen Pionier- oder Betriebsferienlagern, blieb der Standort jedoch für Kinder und Jugendliche erhalten. Es folgten unterschiedliche Vereine und Träger mit verschiedenen Konzepten und Vorstellungen. Einiges wurde verwirklicht, anderes nicht.

Seit dem 1. Januar 2009 befindet sich die Einrichtung als Kinder- und Erholungszentrum KiEZ Bollmannsruh in Trägerschaft des Humanistischen Regionalverbandes Brandenburg/Belzig e.V. .

Rund 27.000 jährliche Übernachtungen sorgen dafür, dass die spontanen Kissenschlachten, die olle Zahnpasta auf den Türklinken, der zugenähte Schlafanzug des besten Freundes oder die geplünderten Kirschbäume noch genauso IN sind wie bei den Kindern des Jahres 1953.

Viel Spaß und Herzlich Willkommen im KiEZ Bollmannsruh!